FLORIAN HESSEN, Ausgabe 6/2018

8G achte ich die geschätzten vier Stunden als sehr optimistisch. Im Durchschnitt habe ich in der ersten Onlinephase viereinhalb Stun- den pro Woche ausschließlich gelernt. Hinzu kamen diverse Ge- spräche mit Feuerwehrkameraden, um Rückfragen zu klären, so- wie Gebäudebesichtigungen, um das Erkunden zu üben und das Thema „Baukunde“ an verschiedenen Objekten zu vertiefen. Auch die übrigen Lehrgangsteilnehmer bestätigten, dass der Auf- wand deutlich über den vier Stunden pro Woche liegt. Dies sollte man einplanen, um nicht – wie ich – gegen Ende der ersten Onlinephase in Hektik zu verfallen, sondern alle Themen in Ruhe intensiv durcharbeiten zu können, bevor die zweite Präsenzphase in Kassel auf dem Programm steht. Zudem teilten die Ausbilder die Lehrgangsteilnehmerinnen und -teil- nehmer nach dem ersten Präsenztag nach geografischen Gesichts- punkten in drei Gruppen ein. Die Ausbilder gaben uns mit auf den Weg, dass es sinnvoll sei, wenn wir uns zur zweiten Präsenzphase schon kennen und im besten Fall schon mal zusammen geübt ha- ben. Diese Übungszeit ist bei den vier Stunden ebenfalls nicht einkalkuliert. Dieser Zeitaufwand, insbesondere in der ersten Onlinephase, war mir in diesem Umfang nicht bewusst – hier hät- te ich mir im Vorfeld eine bessere Information gewünscht. 4 9 1 $ $ 2 / ( Mit der Betreuung während der Onlinephasen durch die Ausbilder war ich zufrieden. Innerhalb von 24 Stunden sollten wir auf Fra- gen, die wir im Forum stellen konnten, eine Antwort erhalten. Damit sollten auch die Wochenenden und Feiertage abgedeckt sein. Dies hat zwar nicht immer funktioniert, dennoch wurden alle Fragen in vertretbarer Zeit beantwortet. Teilweise erhielten wir die Antwort innerhalb weniger Stunden. Mittwochs um 19.00 Uhr wurde bei Bedarf ein „virtuelles Klassen- zimmer“ eingerichtet, sodass wir offene Fragen noch mal mit der Gruppe und einer Lehrkraft der HLFS besprechen konnten. Bei un- serem Lehrgang war dies nicht nötig. Das „virtuelle Klassenzim- mer“ fand bei uns nur einmal zu Lehrgangsbeginn statt. Ein gro- ßes Dankeschön an die Lehrkräfte für die Betreuung. 7 ! 0/ ( Während der zweiten Präsenzphase übten wir in den genannten Gruppen. Jeder hatte einmal die Gelegenheit, als Gruppenführerin bzw. Gruppenführer eine Einsatzübung zu fahren und ein ausführ- liches Feedback zu erhalten. In Ausnahmefällen war aufgrund der Teilnehmerzahl eine zweite Übung möglich. Da in dieser Phase von den ursprünglich geplanten 30 Teilnehmern nur noch 24 an- wesend waren, hatten wir etwas weniger Zeitdruck und konnten alle Fragen ausführlich klären. Während meiner ersten Einsatzübung war es für mich sehr unge- wohnt, auf einmal „auf der anderen Seite der Gruppe zu stehen“. In meiner Feuerwehr habe ich zwar schon gelegentlich mal eine Übung geleitet – eine Einsatzübung als Gruppenführerin, in mei- nem Fall ein Chlorgasaustritt, habe ich allerdings noch nicht ge- führt. Mir scheint es empfehlenswert, schon einige (Einsatz-) Übungen als Gruppenführerin bzw. Gruppenführer absolviert zu haben, um besser vorbereitet zu sein. Im Idealfall wäre dies in der ersten Onlinephase, wenn der Führungsvorgang schon (theore- tisch) verinnerlicht ist. Zudem erwies es sich als positiv, dass ich schon einige Teilnehmer durch die Lerngruppe kannte, die wir in der ersten Onlinephase organisiert hatten. 7 2 / ( Als Hausaufgabe aus der zweiten Onlinephase hat mein Ausbilder mir den Rat gegeben, möglichst oft als Gruppenführerin bei Übungen eingesetzt zu werden. „Erkunden, erkunden und nochmals erkun- den“ war das Motto – zusammen mit „Planen, Befehlen, Kontrollieren und – natürlich – wieder Erkunden“; kurz zusammengefasst also: „Übe den Führungsvorgang bis zum Umfallen!“ Hierbei unterstützte mich meine Feuerwehr, sodass ich schnell an Sicherheit gewann. In der zweiten Onlinephase hatte ich eine durchschnittliche Lernzeit von knapp drei Stunden pro Woche. Hier sind die Wiederholungen für die theoretische Prüfung schon inbegriffen, sodass ich mit dieser Zeit zum Lernen in die Prüfung gehen konnte. In der ersten Online- phase war der zeitliche Aufwand sehr viel höher als in der zweiten. Allerdings, glaube ich, wäre eine andere Aufteilung der Themen nicht sinnvoll gewesen, da die Themen der ersten Onlinephase auch für die Übungen der zweiten Präsenzphase notwendig waren. 5 ! 0/ ( Die dritte Präsenzphase begann mit einem Unterricht zu den The- men Baukunde, Vorbeugender Brandschutz und Brandmeldean- lagen. Danach starteten wir mit der praktischen Ausbildung. Am nächsten Tag folgte die theoretische Prüfung. Anschließend führ- ten wir die Einsatzübungen weiter durch. Nachdem jeder die Mög- lichkeit einer weiteren Übung sowie einer Nachbesprechung und eines Feedbackgesprächs hatte, begannen die Prüfungsübungen, die bis zum dritten Tag andauerten. Am letzten Tag standen die Ergebnisse der beiden Prüfungen fest: Laut den Lehrkräften hat die Auswertung bisher ergeben, dass die E-Learning-Lehrgänge etwas besser abschneiden als die „norma- len“ Lehrgänge – alle 24 Kameradinnen und Kameraden haben den Gruppenführerlehrgang bestanden. / C 2 (0 Ich glaube, dass der Online-Gruppenführerlehrgang für alle geeig- net ist, die die zehn Tage vor Ort in Kassel nicht aufbringen kön- nen oder möchten. Allerdings ist eine große Menge Selbstdisziplin erforderlich. Auch der Zeitaufwand zu Hause ist nicht zu unter- schätzen: In meinem Fall waren das 57,5 Stunden in zwölf Wo- chen, die sich aus Lernen, Übungen, Gesprächen und „Ortsbege- hungen“ zum Üben von Erkundungen zusammensetzen. Die Tage in Kassel, Fahrzeiten und Feuerwehrdienst in der heimischen Feu- erwehr sind in dieser Stundenaufzählung nicht inbegriffen. Ein Vorteil ist in jedem Fall, dass man etwaige Lücken und Fragen in Ruhe aufarbeiten kann, da man mit und bei seiner eigenen Feuer- wehr ausreichend Zeit hat, um zu üben oder nachzufragen. Für mich war der Lehrgang „Gruppenführer (e-Learning)“ die rich- tige Wahl. Ich würde es wieder so machen. T EXT UND F OTOS : S INA K ALBFLEISCH , F REIWILLIGE F EUERWEHR B AD N AUHEIM -S TEINFURTH

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